Die Angst vor dem Anderen, der Haß auf den Fremden ist eine alte Konstante in der deutschen Geschichte. Trotz vieler Sonntagsreden und weihevoller Schwüre hat sich daran bis heute leider nicht viel geändert – immer noch werden „die Ausländer“ als erste Störenfriede des gesellschaftlichen Friedens geortet, wenn die Zeiten nicht die besten sind.
Aktuell hat die Panikmache vor dem Islam Hochkonjunktur. Muslime, die in Deutschland leben, werden als „nicht integrierbar“ diskriminiert, als Feinde der westlichen Werteordnung, als dumm, faul und gewalttätig, und zwar ihres Glaubens und ihrer Gene wegen. So hat der Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin mit seinem rassistischen Pamphlet „Deutschland schafft sich ab“ Millionen Leser gefunden – und die SPD hält seine Hetzthesen nicht für gefährlich genug, um ihm das Parteibuch zu entziehen.
Der antimuslimische Diskurs ist in Deutschland wie in der gesamten westlichen Welt so mächtig geworden, populär quer durch alle Gesellschaftsschichten, weil er tut, als wäre er nicht rassistisch, sondern „aufklärerisch“. Doch er steht in derselben Tradition wie die fremdenfeindliche Polemik Anfang der 1990er-Jahre gegen „die Asylanten“, die chauvinistischen Attacken Anfang der 1980er-Jahre gegen „die Gastarbeiter“ oder die entsetzlichen Haßausbrüche gegen „die Juden“ während der 1930er-Jahre.
Über diese historische Kontinuität von Menschenhaß und Paranoia, ihre Motive und Ideologie klärt der Hamburger Autor Kay Sokolowsky in seinem Buch „Feindbuch Moslem“ (Rotbuch Verlag) auf.
Im Vortrag an der Uni Mainz wird Sokolowsky die menschenfeindliche Tradition, in der Autoren wie Thilo Sarrazin oder Henryk M. Broder und Politiker wie Geert Wilders, Marine Le Pen oder Hans-Peter Friedrich stehen, detailliert beschreiben. Kay Sokolowsky referiert über den Muslimhaß als neueste, ungeheuer erfolgreiche strategische Option der rassistischen Rechten und stellt sich anschließend den Fragen und den Einwänden des Publikums.
Der Vortrag findet am Mittwoch den 15.06. um 18 Uhr im Hörsaal 13, Forum 7 statt.
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