Georg Klauda: Homophober Moslem, toleranter Westen?

Plötzlich interessieren sich auf einmal auch Konservative für die Probleme von Homosexuellen – nämlich wenn diese Opfer von Gewalt werden, die von „Fremden“ ausgeht. Diese werden von ihnen einer „rückständigen“ und „fremdartigen“ Kultur zugeordnet, von der sie sich selbst abheben möchten. Selbst Linken gilt „der Westen“ als Quelle sexueller Emanzipation schlechthin und „der Islam“ wiederum als monokausal verantwortlich für sexualrepressive Zustände und die Verfolgung von „Schwulen“ im Nahen Osten. In seinem Vortrag dekonstruiert Georg Klauda diesen kulturalistischen Mythos. Er umreißt eine Geschichte der Heteronormalisierung der muslimischen Länder als einen von Europa inspirierten Modernisierungsprozess, der in der Übernahme von psychiatrischen Kategorien, sexuellen Identitäten und nationalistischen Praktiken bestand. Auch wird thematisiert, wie das Konstrukt der „islamischen Homophobie“ als politisches Instrument verwendet wird.

Der Referent ist freier Autor und arbeitet zu Themen wie Geschlechterpolitik, Homophobie und Rassismus. Er ist Verfasser des Buches „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“.

Der Vortrag findet am Samstag den 03.06. um 12 Uhr im Raum P2 des Philosophicum (Jakob-Welder-Weg 18) statt.

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